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| 'Segler sind sehr relaxed'
Donnerstag, 7. Oktober 2010, 12.57 Uhr
"Ich war gerade mit meinem ersten Chemieexperiment beschäftigt und mußte mit Hilfe eines Reagenzglases, Wasser und Filterpapier das Brennverhalten von Erdgas testen. Ziemlich kompliziert, und darum finde ich es auch nicht schlimm, einen Augenblick zu unterbrechen um an meinem Logbuch weiterzuschreiben. So langsam laufen hier im Hafen mehr und mehr Segelschiffe ein, die in Kürze den Atlantik überqueren wollen. Die meisten bleiben nur kurz und gehen dann irgendwo in der Nähe vor Anker. Es ist schön, all die Leute an Bord kennenzulernen. Die Seglerszene ist sowieso ziemlich relaxed. Da alle diese Leute segeln, weiß jeder wovon er spricht, und es ist ganz nett wenn man Erfahrungen austauschen kann. Und wenn jemand irgendwo hingeht darf man oft mitkommen, oder man wird gefragt, ob man irgendetwas benötigt. Kürzlich habe ich eine Familie, die hier wohnt und Bootstouren zu den Delfinen organisiert, kennengelernt. Ich durfte mit auf so eine Tour - die springenden Delfine waren großartig -, und ich darf auch ihre 'Mooring', eine Art Ankerplatz, nutzen sobald ich hier aus dem Hafen weg muß. Nicht nur die Segler sind sehr nett. Ich lerne hier ständig neue, nette Menschen kennen. Letztens bin ich mit Leuten, die hier 'überwintern' im örtlichen Niederländischen Club gewesen, um bei Hering, Weißbrot und Möhreneintopf 'Leidens Ontzet' [Leidens Befreiung, siehe Anmerkung unten] zu feiern. Ziemlich verrückt bei 25° Außentemperatur. Ebenso verrückt war es zu hören, daß Gran Canaria irgendwann mal für eine Woche Niederländisches Territorium war! Von anderen Leuten habe ich einen Berg Obst bekommen. Ich trinke jeden Tag Bananen Milchshake und habe ein großes Problem: einen Menge reifer Bananen. Vielleicht ist es an der Zeit, sie mit anderen zu teilen? Ihr merkt es schon: ich habe immer irgendwas zu tun und habe noch einige schöne Dinge in Aussicht. Ich werde diese Woche meinen Tauchschein in Angriff nehmen. Vorgestern habe ich hier meinen ersten Tauchgang gemacht. Es war cool zu sehen, was dort alles tief unter der Wasseroberfläche lebt. Einen Krake, Tintenfische und eine menge anderer Tiere. Das hier ist etwas ganz anderes als die dunklen und trüben niederländischen Binnengewässer, haha... Nun noch ein weiterer Tauchgang und dann werde ich die Schulbank drücken um die Theorie zu lernen. Bis nächste Woche, Laura"
Übersetzung aus dem Niederländischen. Mit freundlicher Genehmigung des Algemeen Dagblad, Rotterdam www.ad.nl
Leidens Ontzet: Im Achtzigjährigen Krieg schloss sich die Stadt Leiden dem Aufstand gegen die Spanier an. Nach einer seit dem 25. Mai währenden Belagerung gelang es den Geusen, unter anderem durch Fluten der umliegenden Polder, am 3. Oktober 1574 die Stadt zu befreien. Die Legende will, dass nach der Vertreibung der spanischen Belagerer in deren Lager eine Pfanne mit Möhren-Eintopf (hutspot) gefunden wurde. Damit konnte die ausgehungerte Stadtbevölkerung erstmals wieder eine ordentliche Mahlzeit haben. Darum wird dieses Gericht jedes Jahr bei den Feiern von Leidens ontzet am 3. Oktober in allen Restaurants serviert.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Leiden_(Stadt) |