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| Auf See ist es manchmal ziemlich öde
Bei Ost-Timor, Mittwoch, 31 September 2011 12:44
Seufz... Ich langweile mich. Manchmal ist es ziemlich öde, allein um die Welt zu segeln. Ich bin vor drei Tagen aus Darwin abgefahren, und hatte beim Auslaufen noch etwas Wind. Leider kam dieser genau aus der falschen Richtung, weshalb ich nicht viel davon hatte. Nun hat der Wind völlig aufgegeben. Würde ich nicht mit Motorkraft fahren, so würde ich wahrscheinlich langsam aber sicher nach Australien zurücktreiben. Ansonsten gibt es hier im Augenblick nicht viel zu erleben. Während der letzten Tage habe ich ein paar Frachtschiffe und einige Segelboote gesehen... und sonst nichts! Das SSB Funkgerät, das ich benutze, um mit anderen Schiffen zu sprechen, kracht im Augenblick wie verrückt, und es gelingt mir nicht, ein halbwegs vernünftiges Gespräch zu führen. Na ja, ich sehe schon, es macht keinen Sinn, Euch länger damit zu langweilen. Es hat nämlich auch Vorteile, daß es im Augenblick so ruhig ist. Es steht fast keine Dünung, und daher kann ich nachts prima schlafen ohne fürchten zu müssen, aus meinem Bett herausgeworfen zu werden. Ich kann in aller Ruhe frühstücken und sogar Brote mit Hagelslag [Brotaufstrich aus granulierter Schokolade] essen, ohne daß alles durch die Kabine fliegt. Oder ein Buch lesen ohne daß die Buchstaben vor meiner Nase herumtanzen und ich immer wieder die richtige Zeile suchen muß. Und - last but not least - kann ich mich auf meine Lieblingsbeschäftigung konzentrieren: saubermachen! Gestern habe ich meinen Kühlschrank ausgemistet. Ich habe nicht genug Strom, um den Kühlschrank die ganze Zeit über laufen zu lassen, und die wenige Energie, die während des Segelns zur Verfügung steht, verwende ich lieber für das Radar und das GPS. Tja, und manchmal vergesse ich eben, daß noch ein paar Sachen im Kühlschrank liegen. Zum Beispiel die Gurke, die schließlich mehr wie ein Pferdeapfel aussah. Dieses Mal war es eine Packung mit Schinkenscheiben, die schon kräftig zu stinken anfing. Bäh... Aber jetzt riecht der Kühlschrank wieder frisch und fruchtig, und ich habe wieder Zeit, mich angenehmeren Tätigkeiten zu widmen, zum Beispiel zu lesen oder Gitarre zu spielen, die Wellen zu beobachten oder um ein bisschen Wind zu betteln. Aber mich beschleicht eine dunkle Ahnung, daß ich darauf noch eine Woche warten muß! Grüße, Laura
Übersetzung aus dem Niederländischen. Mit freundlicher Genehmigung des Algemeen Dagblad, Rotterdam www.ad.nl |