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Woche 53
10/03/2011 6:04 am

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Land in Sicht

Mittwoch, [24. August 2011], 23.59 Uhr

"Hurra! Ich bin durch die Torres Straße hindurch. Meine Tour war ab und zu ganz schön heftig mit kräftigen Rebenböen und hohen Wellen, von denen man fast Höhenangst bekommen konnte. Auch das letzte Stück durch den Golf von Diemen war hart. Es ist so als ob man übers Wattenmeer fahren würde, jedoch ist es viel größer mit vielen Strömungen, Sandbänken und einem Tidenhub von etwa sieben Metern, und keiner anderen Möglichkeit, als hart am Wind zu segeln. Da die See dort sehr flach ist, bekommt man darüber hinaus ständig enorm hohe, steile und salzige Wellen ab. Aber ich hab's geschafft, allerdings nicht ohne Blessuren. Ich fürchte, daß Guppy neue Segel braucht. Die Genua und das Großsegel wurden in Fetzen gerissen, und die Sturmfok und der Besan halten auch nicht mehr lange. Durch die ständige Tropensonne sind sie brüchig geworden, und das Kräftespiel der salzigen Wellen und des Windes waren offenbar zu viel für sie. Auch das Steuerrad fällt fast ab, und deswegen muß ich mit Hilfe der [Not-] Ruderpinne steuern. Ich könnte noch viele kleinere Schäden aufzählen, aber insgesamt geht es uns gut. Noch ein paar Stunden und ich werde wieder an Land sein. Es ist schon ein paar Mal ein Flugzeug des Zolls über mich hinweggeflogen. Das Merkwürdige daran war, daß beim ersten Mal das Alarmsignal meines Radarsystems losging, so als ob sich ein anderes Schiff auf Kollisionskurs befände. Rings um mich herum war aber nichts zu sehen... aber dann kam über UKW-Funk 'Sailing ketch, sailing ketch'. Schließlich sah ich das Flugzeug und begriff, daß sie mich meinten. Sie wollten allerhand Informationen von mir; unerkannt kommt man sicher nicht nach Australien hinein. Ich hoffe übrigens, daß die Leute vom Zoll an Land nachher ein bisschen umgänglich sind. Man hört von Seglern die unterschiedlichsten Geschichten darüber. Bei dem einen stellten sie das ganze Boot auf den Kopf, bei dem anderen packten sie nur ein paar Fleischkonserven ein oder versiegelten den Proviant und sagten, daß er erst wieder bei der Abfahrt geöffnet werden darf. Drückt mir die Daumen! Auf jeden Fall werde ich heute erst mal ausschlafen, denn dazu hatte ich während der letzten zwei Tage überhaupt keine Gelegenheit. Gut Nacht! Laura"

Übersetzung aus dem Niederländischen. Mit freundlicher Genehmigung des Algemeen Dagblad, Rotterdam www.ad.nl
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