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Woche 45
10/03/2011 5:58 am

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Es ist windstill und ich liege fix und fertig auf dem Sofa

Donnerstag, 30. Juni 2011, 13.24 Uhr

"Verdammt! Ich bin krank... Vermutlich habe ich mir auf Bora Bora eine Grippe eingefangen. Gestern habe ich den ganzen Tag völlig erledigt mit Halsentzündung und dröhnenden Kopfschmerzen auf dem Sofa gelegen. Normalerweise ist Windstille ziemlich schlimm für einen Segler, aber dieses Mal fand ich das prima. Für einen schmerzenden Kopf ist wenig Seegang ideal. Nun fühle ich mich etwas besser, aber noch längst nicht topfit. Ich kriege keinen Bissen durch meinen Hals, klinge wie ein Frosch und glaube, daß ich auch die Husteritis bekomme, sobald sich der ganze Schleim in meinem Kopf löst. Aber ach, hoffentlich habe ich das Schlimmste schon hinter mir. Jedenfalls habe ich heute Nacht zum ersten Mal seit Tagen gut geschlafen. Abgesehen davon läuft meine Überfahrt prima, allerdings bin ich noch Nichts und Niemandem begegnet - selbst keinen Fliegenden Fischen. Zweimal am Tag spreche ich über SSB-Funk mit anderen Booten, aber die liegen alle ein ganzes Stück weit vor oder hinter mir. An sich ist das nicht schlimm. Ich kann prima alleine sein, und fange an, das Langstreckensegeln immer schöner zu finden. Ich werde jetzt zum Beispiel noch sicher acht Tage unterwegs sein. Das Lustige dabei ist, daß ich noch immer nicht weiß, wo es eigentlich hingeht... Zuerst wollte ich nach Niue - das ist noch 700 Seemeilen [1296 Kilometer] weit entfernt. Jedoch tendiere ich immer stärker dazu, nach Tonga zu segeln. Das sind 200 Seemeilen [370 Kilometer] mehr zu segeln, und wenn ich dort ankomme, habe ich genau die Hälfte meiner Reise geschafft. Das scheint mir ein fantastischer Meilenstein zu sein. Aber was mache ich, wenn es windstill bleibt? Will ich dort etwa mit laufendem Motor ankommen... Ich habe genug Diesel, das ist nicht das Problem. Aber ich mache nicht umsonst eine Solosegelreise. Vielleicht ist diese ganze Grübelei völlig unnötig. Während ich das hier schreibe, fühle ich nämlich zum ersten Mal während dieser Überfahrt ein wenig Wind und segle wieder. Nun muß ich nur hoffen, bitten und betteln, daß das auch so bleibt. Grüße, Laura"

Übersetzung aus dem Niederländischen. Mit freundlicher Genehmigung des Algemeen Dagblad, Rotterdam www.ad.nl
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