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Woche 34
10/03/2011 5:47 am

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Anstelle von Lauras Kolumne der Woche 34 erschien am Samstag, dem 16. April 2011 folgender Artikel im Algemeen Dagblad

Segelmädchen Laura fährt durch den Panamakanal

'Ich bekomme langsam meine eigene Familie hier auf See'

Panama City - Die Seglerin Laura Dekker (15) fuhr diese Woche durch den Panamakanal, das einzige Teilstück ihrer Weltreise, das sie nicht allein zurücklegen durfte. Bei den weltberühmten Miraflores Schleusen war ihre Überraschung groß. Einige dutzend Niederländer winkten ihr dort spontan zu.

"Laura, siehst Du dort auf dem Aussichtsturm die vielen Leute stehen? Die stehen dort wegen Dir." Dieser Hinweis an die junge Seglerin, die in diesem Moment mit ihrem Boot in die Weltberühmten Miraflores Schleusen einfährt, sollte eigentlich ein Scherz sein. Aber als Laura genauer hinsieht, scheint der Turm tatsächlich nur mit Fans in orangefarbenen T-Shirts und mit Niederländischen Flaggen bevölkert zu sein. Ein breites Lächeln zeichnet sich auf ihrem Gesicht ab. "Sind die wegen mir gekommen? Oder kommt noch ein anderes Niederländisches Schiff vorbei?" fragt sie verzweifelt während sie zum Turm hinüberwinkt. Und wirklich - die Leute winken zurück.
Der Tag zuvor. Kurz nach drei Uhr nachmittags wartet Laura auf einem Ankerplatz nahe der Hafenstadt Colón auf den Lotsen, der sie durch den Panamakanal begleiten soll. Um die Wartezeit sinnvoll zu nutzen, springt sie mit einem Schnorchel und einem Spachtel bewaffnet ins Wasser. Guppy kommt nicht auf volle Geschwindigkeit, obwohl sie es eigentlich müßte. Darum taucht Laura unter ihr Boot, um die Propeller der beiden Motoren von Algen und Muscheln zu befreien. 'Das macht viel aus hinsichtlich der Geschwindigkeit". Erstaunt schüttelt Lotse Francisco kurze Zeit später die Hand der HAVO-Schülerin [siehe Anmerkung unten] ('Ich werde bald in die 5. Klasse versetzt), die ihm sagt, daß sie der Kapitän von Guppy ist. Er zwinkert mit den Augen, fängt jedoch dann mit seinen Erklärungen an, wie sie zwischen dem vielen Schiffsverkehr bei der ersten Schleuse in den Kanal kommt. Laura bleibt dabei ganz ruhig. Diese Situation ist bezeichnend dafür, wie sie in den letzten neun Monaten, seitdem sie unterwegs ist, gewachsen ist. Nicht hinsichtlich der Körpergröße - sie ist noch immer nicht viel größer als Madonna - aber im Hinblick auf ihre persönliche Reife. Sie hat den letzten Rest Kindlichkeit von sich abgeschüttelt. Überall macht sie, freundlich aber bestimmt, deutlich was sie will und wie sie es will.

KROKODIL

Auf Guppy fühlt sich die zarte, mittlerweile tief sonnengebräunte Blondine inzwischen vollkommen zu Hause. Davon zeugen die Wände der Kajüte, die mit Bildern und Fotos von Freunden, Familienmitglieder und Erinnerungen an die Orte, die sie besucht hat, zugepflastert sind. "Im vergangenen Jahr habe ich mich so daran gewöhnt, alleine zu wohnen, so daß es merkwürdig ist, zusammen mit all den Menschen heute Nacht an Bord zu schlafen," sagt sie in Bezug auf die Besatzung, deren Anwesenheit während der Durchfahrt durch den Panamakanal Pflicht ist. Dazu gehören ein Panamesischer Lotse - der abends wieder nach Hause fahren wird - und vier 'linehandlers', die sie selbst aussuchen durfte. Laura hat Freunde, die sie unterwegs kennengelernt hat, gebeten, als 'Taufesthalter' zu fungieren. "Segler helfen einander immer. Ich selbst bin auch kürzlich auf einem anderen Boot als 'linehandler' mitgefahren, um mir alles schon einmal anzusehen." Kurz vor der Schleuse, die Guppy 27 Meter in die Höhe heben wird, begrüßt Laura einen Australischen Kapitän. Seine Jacht und die von Laura werden miteinander vertäut und fahren dann im Schneckentempo in die Schleuse. Unterwegs werden ein paar Neuigkeiten ausgetauscht. "Habt ihr gerade das große Krokodil am Ufer gesehen?" fragt der Australier ernst. "Es ist gerade zurück ins Wasser geglitten." Dann heißt es aufpassen. Nicht wegen anderer 'treibender Baumstämme', sondern wegen der Trossen, die von den Seiten der Schleuse zu den Jachten geworfen werden. Auf beiden Seiten der Jachten müssen diese Taue von den 'linehandlers' festgehalten und stramm gezogen werden, während das Schleusenwasser in die Höhe sprudelt. Manchmal geht etwas schief mit den Tauen, weiß Laura zu berichten. "Ich will lieber nicht wissen, wie viele Zehen und Finger in der mittleren Schleuse liegen."

PFANNKUCHEN

Nach der Schleuse wird Laura über einen riesigen, von tropischen Regenwäldern gesäumten See, der das erste Teilstück des Panamakanals bildet, zu einer 'mooring' geleitet. Das ist eine Boje, an der Guppy für die Nacht anlegen muß. Kurz darauf legen auch der Australier und ein Amerikanisches Ehepaar an. Laura spielt Gitarre und backt Pfannkuchen für ihre Gäste. Mit den Nachbarn werden Bier und Seemannsgarn getauscht. Ob Laura denn wisse, daß schon mal ein Surfer durch den Panamakanal gefahren ist, und daß sich kürzlich ein Japaner ohne Hände gemeldet hat, der behauptet, um die Welt gesegelt zu sein?
Laura schläft in ihrem Schlafsack unter dem Sternenhimmel im Netz des Katamarans der Nachbarn. Um fünf Uhr früh beschließt eine Horde Brüllaffen im Regenwald, alle aufzuwecken. Laura bekommt einen neuen Lotsen an Bord, der sie mahnt, sich zu beeilen. Sie muß gegen Mittag bei den Miraflores Schleusen sein, die aus dem Panamakanal hinausführen. Bevor alle es richtig begreifen, ist die Passage durch den Panamakanal zu Ende. Der Abend wird mit einem Grillfest beschlossen, und danach nehmen alle 'linehandler' abschied von Laura. In ein paar Tagen wird sie mit der Überquerung des Pazifischen Ozeans in Richtung Darwin, Australien, beginnen. "Ich finde es nicht schlimm, wieder allein zu sein. Darüber hinaus lerne ich als Segler unterwegs sehr viele neue Menschen kennen. Man begegnet sich and den ungewöhnlichsten Orten bei einem Zwischenstop wieder. So langsam bekomme ich meine eigene Familie auf See."

Suzanne Docter

Übersetzung aus dem Niederländischen. Mit freundlicher Genehmigung des Algemeen Dagblad, Rotterdam www.ad.nl

HAVO: hoger algemeen voortgezet onderwijs = Fachoberschule. Der Abschluß ist in etwa mit dem deutschen Fachabitur zu verbleichen. Entsprechend der Deutschen Zählweise ist Laura im April 2011 in der 9. Klasse.

Ein Video mit Webcambildern von Lauras Kanaldurchfahrt ist hier

http://www.facebook.com/video/video.php?v=193577627356354

zu finden.
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