Page 1 / 1
Woche 2
10/03/2011 5:18 am

Moderator
Administrator
Senior Forum Expert


Regist.: 10/01/2011
Topics: 433
Posts: 7
Donnerstag, 2. September 2010, 14.20 Uhr

'Pfuschen macht keinen Spaß wenn man es darf'

"Ich hätte niemals gedacht, daß mein Leben hier so anders sein würde. Zu Hause in Zeeland [NL] bin ich gewöhnlich um 6 Uhr aufgestanden um mit meinem Hund Spot Gassi zu gehen, dann fuhr ich mit dem Fahrrad zwölf Kilometer weit zur Schule, egal ob es schneite oder regnete. Hier stehe ich um 8 Uhr auf - ausschlafen ist unmöglich, da man sonst aus dem Bett herausgebrannt würde; ich hatte diese Woche 48 °C in der Kabine! - und beginne sofort mit den Schularbeiten. Ich habe von der 'Wereldschool' ['Weltschule'; eine staatlich anerkannte Schule für niederländische, im Ausland lebende Kinder, die von ihren Eltern unterrichtet werden] einen Lehrplan erhalten. Jeden Tag muß ich für vier Fächer lernen. Ich habe Erklärungen für alles mitbekommen, die normalerweise der Lehrer gibt. Die Schularbeiten sind jedoch die gleichen: ich muß Regeln lernen und für Sachkunde oder Biologie praktische Versuche durchführen. Hierfür habe ich Materialien wie Reagenzgläser und Chemikalien etc. bekommen. Zum Glück haben wir das Sezieren eines Schafherzens schon im letzten Schuljahr durchgenommen. Über das Internet kann ich den Lehrern Fragen stellen, aber bisher war es nicht nötig. In Mathematik-A laufe ich dem Lehrplan etwas voraus. Nächste Woche muß ich meine erste Klassenarbeit schreiben. Ich habe eine CD-Rom mit allen Tests. Theoretisch könnte ich meine Bücher dafür benutzen, aber pfuschen macht gar keinen Spaß wenn man es darf. Es ist lustig, daß ich früher immer bis 16 Uhr in der Schule war, und nun innerhalb von zwei Stunden fertig bin. Dann mache ich gewöhnlich einen Spaziergang durch den Hafen. Ich habe schon viele Leute kennengelernt, und ich bin ein paar Mal mit den Jugendlichen der örtlichen Segelschule segeln gewesen. Des Weiteren räume ich gegen Mittag mein Boot auf oder lese im Schatten. Abends koche und esse ich, gehe duschen, pflege meine Webseite und telefoniere mit meiner Familie. Aber nicht mit meinem Vater, denn mit ihm kann ich von Angesicht zu Angesicht sprechen. Er ist vorbeigekommen, um das Problem mit dem Ruder zu beheben. Es ist schön, ihn wiederzusehen, aber auch merkwürdig. Erst habe mich daran gewöhnen müssen, allein zu sein, und jetzt muß ich mich daran gewöhnen, daß er wieder hier bei mir ist.

Rescuerdos!, Laura"

Übersetzung aus dem Niederländischen. Mit freundlicher Genehmigung des Algemeen Dagblad, Rotterdam www.ad.nl
Quote   
Page 1 / 1
Login with Facebook to post
Preview