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Regist.: 10/01/2011 Topics: 433 Posts: 7
| Donnerstag, 11. November, 14.57 Uhr
"Es war ziemlich verrückt, niemanden mehr um mich zu haben, mit dem ich reden konnte und - abgesehen von den Delfinen, die vor dem Bug herumschwammen - niemanden mehr zu sehen. Die Route, die ich fahre, ist sehr ruhig. Größere Schiffe fahren sowieso in Küstennähe, und ich erwarte auch nicht, so bald anderen Segelbooten auf dem Weg zu den Kapverdischen Inseln zu begegnen. Seit Mittwochnachmittag bin ich auf hoher See. Es ist wunderbar, wieder richtig segeln zu können. Aber ich hatte doch einen ziemlichen Kloß im Hals, als die Küste langsam außer Sicht kam. Ich bin zwei Monate auf Gran Canaria gewesen, und der Abschied von der Insel und den Menschen, die ich dort kennengelernt habe, viel mir sehr schwer, viel schwerer als ich mir jemals gedacht hätte. Innerhalb kurzer Zeit hatte ich eine starke Freundschaft mit einer Familie mit superlieben Eltern und ihren beiden netten Jungs, die ungefähr in meinem Alter waren, aufgebaut. Sie haben mir einen Liegeplatz angeboten und mich oft in Schlepp genommen, zum Beispiel zu den Delfintouren, die sie organisieren. Sie haben mir auch während der vergangenen Tage sehr geholfen beim einkaufen von Vorräten und beim nachtanken von Diesel um 'Guppy' für die Überfahrt nach Sint Maarten klar zu machen. Auf den Kapverdischen Inseln werde ich nämlich vor Anker gehen, und es wäre ziemlich mühsam, die Ausrüstung dort vorzunehmen, insbesondere wenn man nur ein Dinghy (ein kleines Bötchen) und ein Klappfahrrad als Transportmittel zur Verfügung hat. Na gut, inzwischen fühle ich mich etwas besser als kurz nach dem Abschied. Es wird sicherlich noch eine Woche dauern, bis ich Sal, die Insel, die ich zuerst besuchen werde, erreicht habe. Wenn alles klappt, werde ich dort am nächsten Donnerstag ankommen. Das wird natürlich vom Wind abhängen. Im Augenblick spielt er ganz gut mit und weht mit 5 Bft. Mit der Windfahnen Selbststeuereinrichtung auf Guppy geht das Segeln wie von selbst. Da ich nicht von Hand steuern muß, kann ich den Ausblick auf die endlos wogenden Wellen, die Wolken und die Sonne genießen. Zum Glück scheint die letztere ziemlich häufig. Carpe diem! Laura"
Übersetzung aus dem Niederländischen. Mit freundlicher Genehmigung des Algemeen Dagblad, Rotterdam www.ad.nl |