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Regist.: 10/01/2011 Topics: 433 Posts: 7
| 'Guppy' und ich rasen weiter mit 7,5 Knoten [14 km/h] die Torres Straße entlang! Überall sind Riffe, aber ich sehe nichts, da es anfängt, dunkel zu werden. In der Ferne sehe ich die erste Insel, die umrunden muß. Danach muß ich noch näher an den Wind gehen als bisher - ob das gut geht? Unter gerefftem Großsegel und Genua kracht 'Guppy' mitten durch die Wellen. Die Genua hat es schwer; ich habe vorher alle Risse mit Klebeband abgedichtet, aber wird sie noch die ganze Nacht lang halten? Rrrrrrrratsch! Ohne hingucken zu müssen wußte ich die Antwort. Optimistisch greife ich zu meiner Kamera, und als ich gerade anlegte, reißt das Segel noch weiter. Also rolle ich die Genua ein- und die Sturmfock aus, denn ich muß hart am Wind zwischen all den Riffen hindurchsegeln. Die Geschwindigkeit fällt zwar ein wenig, aber 'Guppy' findet schnell in einen neuen Rhythmus und donnert immer noch mit 6 Knoten [11 km/h] weiter. So segeln wir hart am Wind weiter von Insel zu Insel, von Riff zu Riff und von Licht zu Licht. Am nächsten Morgen sah ich überall um mich herum Inseln aus der Dunkelheit auftauchen, um mich herum hellblaues Wasser! Das kommt daher, daß das Wasser hier nur 13 Meter tief ist! Währenddessen krame ich die Reserve Genua aus dem stampfenden Bugraum hervor. Aber die zerrissene Genua ist inzwischen dermaßen verheddert in einem Gewirr aus Segelfetzen und läßt sich nicht mehr ausrollen. Ich denke mir, 'laß es', setzte zusätzlich noch den Besan und segle mit einer etwas geringeren Geschwindigkeit als gewöhnt weiter. Aber das alles macht eigentlich nichts. Ich bin durch die Torres Straße hindurch! Ich habe die Australische Küste gesehen und bin auf einem neuen Ozean angekommen. In meinem Kopf dreht sich alles, und mit dem letzten Rest Energie - ich habe 48 Stunden nicht geschlafen - mache ich einen Freudentanz und frage 'Guppy' wie sie sich fühlt. WUNDERBAR! sagt sie. Aber jetzt werde ich erstmal schlafen... und es macht überhaupt nichts, daß die Genua durchgerissen ist, daß sich der Abwasch ungefähr einen Meter hoch stapelt, daß mein Bett salzig und feucht ist, das Steuerrad fast abfällt und eine Tüte Saft im Vorratsschrank undicht ist... Morgen ist ein neuer Tag.
Laura |